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Blog-Beitrag
von Josef Hönerlage
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Mann werden – wie der Vater so der Sohn ? Mann werden unabhängig vom Vater

Mit meinem Vater habe ich irgendwann innerlich Frieden geschlossen. Dieser Friedensschluss bedeutete für mich auch, dass ich die Verantwortung dafür übernehme, nicht die gleichen Fehler gegenüber meinen Kindern zu machen, wie ich sie bei meinem Vater mir gegenüber empfunden habe.

Aus dieser Verantwortung heraus habe ich bewusst etwas anders gemacht als mein Vater. Ich habe mich dafür entschieden, nicht bis zum bitteren Ende in der Beziehung mit meiner Frau auszuharren und vor mich hin zu leiden, so wie mein Vater es getan hat. Ebenso habe ich mich entschlossen, mich auf die Leere in mir einzulassen, auf mein Nichtwissen, wer ich als Mann bin.

Wie Richard Rohr es treffend formuliert, wir müssen oft bei Null anfangen, denn wir können nur das weitergeben, was wir kennen. Als Vater stand ich vor der Frage, was kann und will ich an meine Kinder weitergeben. Besonders meine Söhne traten in den Vordergrund bei meinem Wunsch, dass es ihnen als zukünftige Männer anders ergehen sollte, wie es mir mit meinem Vater ergangen war. Ich brauchte eine Antwort auf meine Fragen "Wer bin ich als Mann ?" und „Wie kann ich meine Söhne beim Mann werden unterstützen ?“

Antwortsuche - männliche Archetypen und Heldenreise des Mannes

Ich las viel Männerliteratur. Zu der Zeit waren Autoren wie Robert Bly mit "Der Eisenhans" , Richard Rohr mit "Der wilde Mann" und andere dabei, neue Antworten auf das Mann-Thema zu finden. Dabei lernte ich auch ein Modell archetypischer, männlicher Energien kennen. Die vier grundlegenden männlichen Energien wurden z. B. von Richard Rohr mit Bildern des Königs, des Liebhabers, des Magiers, des Kriegers beschrieben. Mich faszinierten diese Bilder und das dahinterstehende Modell.

Geschichten und Beschreibungen zu diesen archetypischen Bildern, wie sie in vielen Märchen oder beispielsweise im vom mir geschätzten Buch vom „Herrn der Ringe“ vorkommen, sprachen mich sehr an. Junge Männer, manche mit, manche ohne das Vertrauen ihres Vaters, die hinaus in die Welt gehen, Heldentaten vollbringen und Niederlagen erleiden, die erfahrene Männer kennenlernen und von ihnen lernen, die irgendwann symbolisch den Helden-“Tod“ sterben müssen. Wenn sie nicht mehr können, wenn sie am Boden liegen, haben sie die Chance zu lernen, dass Scheitern eine notwendige Voraussetzung beim Erwachsenwerden zum Mann ist. Das man als Mann nicht alles allein kann, dass man Stärken und Schwächen hat, dass Andere manche Dinge besser können. Und dass man dazu stehen muss, nicht versucht, nach außen so zu tun, als ob man immer alles im Griff und unter Kontrolle hat. Dass es nicht vorrangig um persönlichen Ruhm, sondern um überpersönliche Ziele und Verantwortungsübernahme geht.
Diese Gedanken, wie sie in der Literatur unter dem Begriff der klassischen Heldenreise (beispielsweise Joseph Campell) beschrieben werden, haben mir einen Weg aufgezeigt, wie ich mein eigenes Mann sein unabhängig von meinem Vater weiterentwickeln konnte.

Das Modell mit den vier archetypischen männlichen Figuren, die in ihren positiven aber auch in ihren Schattenaspekten als Potenziale in jedem Jungen und Mann vorhanden sind, bot mir die Möglichkeit, meine persönlichen männlichen Qualitäten zu prüfen und zu entwickeln. Wenn es um männliche Qualitäten geht, reduziert sich das Thema häufig auf die Frage, ob Du ein Softie oder ein Matcho bist. Das Archetypenmodell offenbart dagegen eine ganz andere Qualität und Vielfalt.
Das zeigt sich beispielsweise an folgenden Fragen, die ich mir stellte:
Wie stand es um meine persönliche Autorität und Souveränität als Mann und Vater ? (Königsenergie)
Wie emotional offen war ich gegenüber meinen Kindern, hatte ich im Gefühl, wie es ihnen geht ? (Liebhaberenergie)
Wie kompetent war ich in Beziehungs- und Erziehungsfragen, was konnte ich tun, um gute Entwicklungen zu fördern ? (Magierenergie)
Wie weit war ich in der Lage, entschlossen zu handeln und Grenzen zu setzen, ohne dabei aus persönlichen Motiven heraus Andere zu verletzen ? (Kriegerenergie)
Wie hängen die Dinge zusammen, bin ich in einer guten Balance meiner Energien, welche Energien sind im Moment besonders wichtig ?

Antwortsuche in Männergruppen

Sehr wichtig waren für mich auch Männergruppen und andere Männer, so wie ich auf der Suche, als "Brüder im Geiste", und erfahrene Mentoren, die mir als "Ersatzväter" zur Seite standen. Im Kreis dieser Männer fühlte ich mich angenommen und gesehen und konnte mich als Mann und Vater neu ausprobieren. Sehr spannend war die Vielfalt an Männern mit unterschiedlichen Biographien, Fragen und Problemen. Mir halfen diese Männer, mich in meiner besonderen Art von Mann sein besser wahrzunehmen. Spannend war auch zu bemerken, wie ähnlich viele Männer ticken, wie sie zum Beispiel unter bestimmten Situationen leiden. Besonders tief hat mich berührt, dass ich mich mit meinen verschiedenen Seiten offen und ehrlich zeigen konnte, mich nicht verstellen brauchte, und immer das Gefühl hatte, dass ich Gleicher unter Gleichen bin. Wenn Männer auf eine solche Art und Weise zusammen sind, entsteht eine spürbar starke männliche Energie, die trägt und Kraft gibt.

Initiation ins Mann sein und die Rolle des Vaters

Ich begann mich für das Thema Initiation, Einweihung, Einführung ins Mann sein zu interessieren. Der Vater ist wichtig beim Mann werden eines Sohns. Als Vater kann ich viel tun, um einem Sohn den Weg zu bereiten. Aber den eigentlichen Schritt hin zum erwachsenen Mann muss ein Sohn selbst tun. Er muss sich aus der familiären Geborgenheit und Sicherheit lösen, bereit sein, seinen eigenen auch vom Vater unabhängigen Weg zu gehen. Wenn Söhne diesen Schritt ins Erwachsensein machen, kommt es häufig zu Konfrontationen und Konflikten. Der Sohn tritt aus dem bisherigen Abhängigkeitsverhältnis zum Vater heraus, um das Eigene zu finden, um ebenbürtig zum Vater zu werden. Wenn ein Sohn diesen "Sprung" wagt, braucht er auf der anderen Seite des "Grabens" Männer, die ihn in seinem neuen Status als erwachsen gewordenen Mann bestätigen und ihn auf seinem neuen Weg als erfahrene Männer und Mentoren ein Stück begleiten.

Moderne Initiation ins Mann sein

Auf einen bewussten Initiationsprozess, eine Männerquest, habe ich mich bei Reinhold H. Schäfer eingelassen. Ich habe den "Sprung" gewagt und darüber bin ich froh. Hoch oben auf einem Berg in der Wüste habe ich auf mein Leben als Mann zurückgeblickt und einen Schlussstrich gezogen. Innerlich gewachsen, sicherer und bewusster geworden habe ich dort beschlossen, meinen Kindern, meinen Söhnen und anderen Männern mit meiner neu gewonnenen Kraft als männlicher Mentor und Vater zur Verfügung zu stehen.
Mich auf einen solchen bewussten Initiationsprozess einzulassen, war für mich nicht selbstredend. Ich stand unter starkem Druck, an einer Dauergrenze zum Burnout. Zwar hatte ich die Trennung von meiner Familie einigermaßen verkraftet, doch viel einfacher war mein Leben dadurch auch nicht geworden. Zusätzlicher finanzieller und zeitlicher Druck ließen es kaum zu, das gut zu tun, was ich erhofft hatte, persönlichen Entwicklungsraum zu schaffen und meinen Kindern in neuer Weise als Vater zur Verfügung zu stehen. Um weiter zu kommen, musste ich mich auf mehr „Unsicherheit“ einlassen. Die wichtigste Aussage, die mich auf meiner Quest, meiner Visionssuche begleitete war „Ich will weniger arbeiten !“. Ich musste einfach weniger arbeiten, wenn ich mich selbst ernst nehmen wollte. Und nur wenn ich mich selbst ernst nehme und das tue, was mir nach reiflicher Überlegung notwendig und richtig erscheint, kann ich in meine Kraft als Mann und Vater kommen, und bin nicht mehr komplett fremdbestimmt durch die Strukturen und Personen um mich herum. Theoretisch wusste ich das auch vor der Quest. Das Notwendige auch tun, damit habe ich aber erst nach der Quest richtig angefangen. Ich brauchte einen inneren Perspektivwechsel, um mit den äußeren Anforderungen anders umgehen zu können als bisher. Weg von einer Einstellung, die meint, alles (besser) wissen zu müssen, die sicherheitsbestimmt ist und alles unter Kontrolle halten will, die alles mit sich selbst ausmacht. Hin zu einer Haltung, die sich traut, sich auf Unsicheres einzulassen mit der Zuversicht, dass das Richtige sich zeigen wird, die bereit ist, Unterstützung anzunehmen und Neues zu wagen - Scheitern können eingeschlossen.

Vorher und Nachher

Vier Tage allein fastend in der Bergwüste, vier Tage heraus aus der Zivilisation, im bewussten Kontakt mit der rauhen manchmal gefährlichen und Grenzen setzenden Natur sein, sich selbst sehen und erkennen, ohne die üblichen Masken, Selbsttäuschungen und Verdrängungen. Mit den archetypischen Energien von König, Liebhaber, Magier und Krieger in einen tieferen Kontakt kommen. Für mich hat dieser bewusste Initiationsprozess einen seelischen Quantensprung bewirkt - von einem Vorher zu einem Nachher.
Initiieren tut immer das Leben selbst mit seinen großen Herausforderungen, sprunghaften Veränderungen und lebensbestimmenden Einschnitten. Die entscheidende Frage ist, ob und wie ich mit solchen Situationen umgehe. Zu meinen, mit einem bewährten „Handwerkskoffer“ alles lösen zu können oder darauf zu hoffen, dass sich die Dinge selber lösen, das funktioniert in der Regel nicht, zumindest nicht gut. Wenn ich als Mann und ganz besonders als Vater die Lebensanforderungen ernst nehme, dann bedarf es oftmals eines inneren Lern- und Wachstumsprozesses, um möglichst gut mit den Anforderungen umgehen zu können. Einen solchen Schritt bewusst zu gehen, wenn das Leben es erfordert, das ist das Wesen von Initiation für mich. Und das Klügste, was ich in einem solchen Fall machen kann, ist, mir Unterstützung von erfahrenen Männern und Mentoren dabei zu holen. Männer, die wissen, um was es geht, die ähnliche Prozesse selbst durchlebt haben. Männer, die nichts „besser“ wissen als ich, die mir aber zur Seite stehen, mich unterstützen und mir die Gewissheit geben, dass ich nicht mit allen Problemen dieser Welt allein dastehen muss.

Erwachsen als Mann werden bedeutet bewusste Selbstentwicklung

Wenn ich auf meinen Entwicklungsweg als Mann und Vater zurückblicke, dann war das erst einmal ganz viel Aufräumarbeit, um mein Fundament als eigene Persönlichkeit und Mann erkennen zu können. Es gab soviel an prägender Fremdbestimmung in meinem Leben, dass ich nicht wusste, wer ich als Mann bin.
Der Prozess des Freilegens meiner Persönlichkeit hat gedauert und war anstrengend. Besonders die Leere, die mein Vater bei mir zurückgelassen hatte, war sehr schmerzhaft und tut manchmal immer noch weh. Mich selbst ungeschönt zu sehen, mich ehrlich anderen so zu zeigen, das waren meine größten Herausforderungen. Aber wie es so schön heißt „geteiltes Leid ist halbes Leid“. Auch vielen anderen Männern geht es nicht anders als mir. Die gegenseitige Ehrlichkeit unter Männern hat mir entscheidend geholfen, mich so wie ich bin anzunehmen und zu wissen, dass ich vollkommen in Ordnung bin.
Dadurch ist es mir möglich geworden, das zu tun, was ich für meine wichtigste Lebensaufgabe halte: Mich selbst als Mann mit meinen mir zur Verfügung stehenden Potenzialen zu entwickeln, sie kreativ zu gestalten und mich in gewissem Maße neu zu erfinden. Um möglichst gut das zu tun, was das Leben von mir fordert.

Wer bin ich als Vater ?

Meine bis dahin größte Lebensaufgabe war mein Vater sein. Mit der Trennung von meiner Kindern stand ich mit dem Gefühl da, als Vater versagt zu haben.
In der Auseinandersetzung mit meinem eigenen Vater ist mir klar geworden, dass das unbedingte Vertrauen in die Kinder das Wichtigste ist, das ein Vater seinen Kindern geben kann. Ein Vertrauen, das auf einer zugewandten Emotionalität basiert, und das einem Kind sagt, gehe Deinen eigenen Weg, Du schaffst das. Darüber hinaus prägt das spürbare praktische Vorbild des Vaters als Mann entscheidend die Kinder, besonders die Jungen als zukünftige Männer. Und nicht zuletzt ist die offene Tür des Vaters wichtig, die Kinder einlädt zu kommen, wann immer sie den Vater brauchen.
Diese Erkenntnisse sind es, die ich als bewusster Vater nie aus den Augen verlieren sollte - auch und gerade dann nicht, wenn ich als Vater stark vor beruflichen, finanziellen oder persönlichen Herausforderungen stehe und familiäre Verpflichtungen mir kaum Zeit zum Atmen lassen.
Eine für mich wesentliche Voraussetzung, um in meine Kraft als Vater zu kommen und zu bleiben, ist, dass ich weiß, wer ich als Mann bin.

 

 

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