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Blog-Beitrag
von Josef Hönerlage
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Trennung und Vaterverantwortung - Gedanken zum Film "Weil du mir gehörst", ARD 12.02.2020

Das Leiden der Kinder -"Weil du mir gehörst"

Der Film war aufwühlend und manchmal nur schwer auszuhalten. Zu sehen, welches Leiden die von der Mutter vorangetriebene systematische Isolierung des Mädchens vom Vater dem Mädchen zugefügt hat: Traumata, wahrscheinlich lebenslang, Hass auf den Vater, Hass auf sich selbst (sich verletzen), Selbstmorddrohung.
Nicht zuletzt das Leiden des Vaters, schließlich auch das Leiden der Mutter, im Fim angedeutet möglicherweise komplett zerstörte Lebensperspektiven von allen. Und viele drumherum machen mit. Großeltern, Ämter, Justiz, Psychologen.
In der Realität gibt es ein breites Spektrum von Trennungsformen, von einer "guten" Trennung bis hin zu zerstörerischen Trennungen, wie im Film dargestellt.

Das Wichtigste für Kinder – verantwortungsvolle gemeinsame Elternschaft

Erst der Richterspruch beim Oberlandesgericht zeigt eine mögliche Perspektive auf: Die Eltern müssen sich gemeinsam drei Monate beraten lassen und eine gemeinsame Lösung finden. Ob sie das schaffen werden, wird im Film nicht mehr thematisiert. Aber eins weiß ich: Jedes Gerichtsurteil ist für ein Kind schädlich, weil entweder dem einem oder anderen Elternteil Recht gegeben wird. Der Konflikt wird nicht einvernehmlich reguliert, sondern per Gerichtsurteil manifestiert. Zu Lasten des Kindes.
Eine Trennung ist meistens die Folge von nicht gelösten Paarbeziehungsfragen, an denen Mann und Frau gleichermaßen beteiligt und für die sie auch verantwortlich sind. Wenn Frau und Mann bereit sind, nach einer Trennung Verantwortung als Eltern zu übernehmen, wäre das eine wichtige Basis für das Kind.
Im Film gelingt den Eltern das nicht. Die persönlichen Momente, Verletzungen und Animositäten, im Film besonders die der Mutter, sind wichtiger als das Wohl des Kindes.

"Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber." Dieses Zitat aus einer Dichtung des libanesisch/amerikanischen Dichters Khalil Gibran stellt für mich den Gegenpol zu "Weil du mir gehörst" dar. Kinder gehören nicht ihren Eltern oder einem Elternteil. Sich mit diesen Begrifflichkeiten eine Zeitlang auseinanderzusetzen, am besten mit anderen darüber gemeinsam zu diskutieren ist wichtig. Als Vater sagst Du oft 'mein Kind'. Was bedeutet 'mein Kind' für Dich ? Wie unterscheidet sich 'mein Kind' von dem Titel des Films 'Weil Du mir gehörst' ? Sprich mit der Mutter Deiner Kinder über diese Frage, über 'Eure Kinder', mit dem Ziel, dass ihr und Eure Kinder im Falle eines Falles nicht so endet wie die Filmfamilie.

Wie ist meine Rolle als Mann und Vater ? Welche Verantwortung übernehme ich ?

Diese Fragen sind von einer konkreten Trennungssituation unabhängig, auch wenn sie bei einer Trennung besonders relevant werden. Problematisch kann es werden, wenn Eltern erst im Zusammenhang mit einer Trennung beginnen, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Eine mögliche positive Elternschaft auch nach einer Trennung kann dann schon in weite Ferne gerückt sein, weil die emotionalen Spannungen zwischen Mann und Frau zu dominant geworden sind.
Als Vater kannst Du Einiges tun, damit es Deinen Kindern auch in schwierigen Beziehungssituationen einigermaßen gut geht. Das Wichtigste ist meiner Überzeugung nach, Dich bewusst mit den Auswirkungen der Partnerschaft auf Deine Kinder zu beschäftigen, und darüber ins Gespräch mit der Mutter deiner Kinder zu kommen. Dadurch stellst Du sicher, in Beziehungskrisen immer mögliche Auswirkungen auf Deine Kinder im Auge zu behalten. Das beinhaltet auch, die Kinder eventuell auf das Beziehungsthema anzusprechen. Weil Kinder es sowieso mitbekommen. Deine Kinder müssen immer wieder gesagt bekommen, dass Du sie liebst, dass die Beziehungsprobleme nichts mit ihnen zu tun haben, und dass sie auch ihre Mutter weiter lieben dürfen.
Für manche Männer können solche meistens emotionalen Gespräche sehr herausfordernd sein. Alternative Verhaltensweisen wie beispielsweise, einfach schweigend aushalten und weitermachen, bis irgendwann nichts mehr geht, oder so tun, als wenn nichts wäre und es sich schön reden, sind kaum zielführend.

Eigene Trennungserfahrungen

Ich war ein Vater des ersten Typus, so lange aushalten, bis nichts mehr geht. Als es zur Trennung von meiner Frau und einige Jahre später zur räumlichen Trennung von meinen Kindern kam, stand anfangs für mich fest, meine Frau hat Schuld. Unsere Paarbeziehung lag am Boden, und aller Einsatz und alle Kraftanstrengungen meinerseits, daran etwas zu ändern, waren erfolglos. Den großen Dauerbelastungen hielt unsere Beziehung nicht stand. Wie ich erst später in einer Psychotherapie erkennen musste, gab es auch eine Menge persönlicher Gründe, warum unsere Beziehung, die Basis unseres Familienprojekts, nicht funktionierte. In mir fasste nach und nach die Erkenntnis Fuß, dass auch ich ein Teil des Beziehungsproblems mit meiner Frau war. Nachdem diverse Beziehungs-Reparaturversuche nicht gefruchtet hatten, kam es zur räumlichen Trennung. Ich zog aus.
Die Erkenntnis, dass die Hauptursache für die Trennung das Beziehungsproblem zwischen der Mutter meiner Kinder und mir war, hat mir geholfen, nach der Trennung gemeinsame Elternschaft einigermaßen zu leben. Für mich hieß das auch, die Kinder nicht bewusst durch einseitige Schuldzuweisungen gegen ihre Mutter zu manipulieren.

Kinder brauchen Sicherheiten von Mutter und Vater

Unabhängig vom jeweiligen Lebensmodell brauchen Kinder grundsätzlich immer Mutter und Vater und am besten auch geeignete Ersatzpersonen für ein gutes Erwachsenwerden. Zum Beispiel kann in einer klassischen Zweierbeziehung eine "gute" Trennung möglicherweise für eine Kind eine bessere Lösung sein, als "schlecht" zusammen zu bleiben.
Ich bin davon überzeugt, dass ein Kind unabhängig von der familiären Situation und den einzelnen beteiligten Personen besonders zwei "Sicherheiten" braucht: Die Sicherheit des Angenommenseins, der Geborgenheit, des Geliebtwerdens, und zwar so wie es ist, ohne Bedingungen. Und ein Kind braucht zum Erwachsenwerden, ganz besonders in der Pubertät, eine zweite Sicherheit: Das Vertrauen darin, allein in die Welt zu gehen, eigene Ziele zu verfolgen, eigene Wege zu gehen, und das Selbstvertrauen darin, dass es das schafft. Meiner Überzeugung nach hat die erste Sicherheit besonders mit der Mutter, die zweite Sicherheit eher mit dem Vater zu tun.

Bewusst Vater sein

Anders als die Mutter, die von Anfang an körperlich und emotional auf natürliche Art und Weise mit den Kindern verbunden ist, stehst Du als Vater erst einmal außen vor. Genau aus diesem Unterschied heraus bist Du als Vater besonders geeignet, Deinen Kindern bei der Entwicklung ihres Selbstvertrauens zur Seite zu stehen. Du als "Außenstehender" traust ihnen zu, dass sie es schaffen werden, ihr eigenes Leben zu führen. Hinfallen und wieder Aufstehen eingeschlossen. Du trainierst das als Vater bis in die Pubertät hinein mit Ihnen, wenn Du Deine Kinder in ihren Entwicklungen bewusst wahrnimmst und förderst, und gleichzeitig klare Ansagen machst und ihnen notwendige Grenzen setzt. Diesen Spagat hinzukriegen, ist für mich eine der größten Vaterherausforderungen. Um diesen Spagat möglichst gut hinzubekommen, sind Kontakt, Nähe, Präsenz, emotionale Offenheit und Verbundenheit mit den Kindern wichtige Voraussetzungen. Damit die Kinder wissen, dass sie von Dir bedingungslos angenommen und geliebt werden.

Steh zu Deinen Kindern !

Wünschenswert wäre, dass im Trennungsfall die gemeinsame elterliche Verantwortung es möglich macht, dass die Kinder von beiden, von Mutter und Vater, das bekommen können, was sie brauchen.
In schwierigeren Trennungssituationen kannst Du als Vater sehr gefordert sein, das Richtige und Notwendige zu tun und dabei sowohl Dein Wohl als auch das Wohl Deiner Kinder im Blick zu behalten.
Hilfreich dafür ist zu wissen, was die Kinder fühlen und denken, welche Fragen sie beschäftigen, mit welchen Dingen sie vielleicht nicht klarkommen, oder die sie belasten, worüber sie mit Dir aus welchen Gründen auch immer nicht reden.

Man weiß nie, wie alles kommt. Und es kann ziemlich schlecht kommen. Angst, Trauer, Wut, Schmerz können manchmal alles dominieren. Auch wenn es Dir als Vater einmal so gehen sollte, dann ist das sicher nicht wünschenswert. Erfreue Dich trotzdem an Deinen Kindern, an ihrer Einzigartigkeit, ihrer Lebensfreude, ihrer Neugier, ihrer emotionalen, bedingungslosen Zuwendung auch für Dich. Sei dafür dankbar, dass es Deine Kinder gibt.

Vater sein erfordert Bewusstheit, Emotionalität, Kreativität und Mut.

 

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© 2020 Josef Hönerlage