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Vaterherausforderung schwer verletzter Sohn
von Josef Hönerlage
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Meine große Herausforderung - schwerer Unfall eines Sohns

So wie mir kann es jedem Vater ergehen, ein Ereignis, ein Schicksalsschlag, eine aus dem Ruder laufende Entwicklung bricht in das "normale" Leben ein. Auf einmal ist alles anders. War vor über 20 Jahren schon die Trennung von meiner Familie ein Schnitt mitten durch mein Herz, so war der Unfall meines jüngeren Sohns mit schwersten Verletzungen vor fast 10 Jahren ein Einschlag ins Leben, der alles in Frage stellte.

Äußere sind immer auch innere Herausforderungen

Beides, die Trennung von der Familie und der Unfall meines Sohns, haben mich extrem gefordert. Berufliche und ökonomische "Rückschritte", extreme Herausforderungen und neue Wege, Versagensängste, Schuldgefühle,.... Wie ich heute für mich sagen kann, habe ich mich mit meiner Situation glücklicherweise bewusst, emotional offen und selbstkritisch auseinandergesetzt. Nicht immer, und nicht selbstredend, aber letzlich doch. Und ich habe mir Unterstützung geholt. Ich bin davon überzeugt, dass mein innerer Reifungs- und Heilungsprozess entscheidend dazu beigetragen hat, meinem Sohn nach seinem Unfall als der Vater zur Seite zu stehen, den er brauchte.

Meine Homepage Vaterwerkstatt

Als ein Resultat meiner Kämpfe als Vater und Mann und ganz besonders der Erfahrungen mit meinen verunglückten Sohn sind meine Homepage und jetzt neu mein Vaterblog entstanden. Ich kenne von vielen Männern ihre Geschichten. Und ich weiss, dass viele Männer ähnliche Geschichten erzählen könnten. Ich möchte Männer ermutigen, ihr Leben bewusst als Mann zu gestalten, und auch, wenn es nicht immer einfach ist, als Vater männlich und vertrauensvoll für die Kinder da zu sein.

Die Geschichte vor dem Unfall

Die wichtigste konkrete Verbindung mit meinen beiden Söhnen unabhängig von der Familientrennung war der Fussball, sie als aufstrebende junge Spieler, ich als Trainer, Coach und vom Spielfeldrand anfeuernder Vater.
Mein jüngerer Sohn Birk war hoch talentiert und geradezu fussballversessen, eine Art brasilianischer Strassenfussballer mit konkreten Ambitionen nach ganz oben. In den Tagen vor dem Unfall hatte mein Sohn mit seinen Toren seiner Mannschaft beim Bezirksligaaufstieg entscheidend geholfen, wurde in der Zeitung als Aufstiegsheld gefeiert, hatte erste Angebote von höherklassigen Vereinen.

Ein junger 20-jähriger Mann als Held ganz oben, als der Unfall passierte

Am Tag nach der Aufstiegsfeier auf der Einkaufsstraße vor seiner Berufsschule passierte es.
Es war der 07. Juni 2010, 11 Uhr, als ein Anruf der Polizei alles veränderte. Mein jüngerer Sohn hatte einen Schwerstunfall. Auf einer Einkaufsstraße hatte ihm eine sieben Meter lange Laterne aufgrund nicht sachgemäßer Sicherung den Kopf eingeschlagen. Ob er überleben würde, und falls ja, dann womöglich mit großen körperlichen und geistigen Behinderungen, nichts war in diesem Moment absehbar.

Ich war im Ausnahmezustand

Der Unfall meines Sohns beförderte mich in einen seelischen Auszunahmezustand. Nach dem Beziehungsende mit der Mutter meiner Kinder 12 Jahre zuvor war ich hauptsächlich als Wochenendvater und Fussballunterstützer meiner Söhne aktiv, oft mit Versagens- und Schuldgefühlen konfrontiert. Ich führte ein Leben zwischen Kinderverantwortung, beruflicher Anerkennung, materieller und seelischer Existenzsicherung und das bei dauernder Hochbelastung. In diesem Moment auf einem Flur des Krankenhauses war ich wie gelähmt, ratlos und machtlos.

Mein Sohn kämpfte und ich auch

Ich brauchte fast zwei Tage, bis ich meine Lähmung überwinden konnte. Mein Sohn kämpfte und ich entschied mich, alles dafür zu tun, um meinen Sohn in seinem Kampf zu unterstützen, unabhängig davon, was aus ihm irgendwann werden würde. Diese Entscheidung war nicht selbstredend. Es kamen Gedanken, ob es nicht das Beste ist, wenn mein Sohn sterben würde. Aber mein Sohn kämpfte. Es gab in diesem Moment nichts Wichtigeres, als meinem Sohn in seinem Lebenskampf zur Seite zu stehen, und ihm zu zutrauen, dass er ein eigenes Leben führen und meistern wird, wie auch immer dieses aussehen würde.
(Anders als mein Vater, der mir mein eigenes Leben nicht zugetraut hat.)

Mit einem Male war alles anders

Mit meiner inneren Entscheidung meinem Sohn in seinem Lebenskampf beizustehen, öffneten sich bei mir alle Energiekanäle. Nichts war im Moment wichtig, nur mein Sohn. Mein Sohn bekam meine gesamte Kraft in dem Glauben und Vertrauen darin, dass er wieder ein eigenes Leben wird führen können. In der direkt nach dem Unfall sehr kritischen Situation hatte ich das Gefühl, dass mein Sohn mich ganz braucht, meine Unterstützung, meine Energie, meine Anwesenheit, mein Vertrauen.

Mit meinem Sohn verbunden

So oft es ging, sass ich in den Wochen nach dem Unfall an dem Bett meines Sohns. Unabhängig wieviel er bewusst mitbekam, übermittelte ihm die guten Wünsche der vielen mit im verbundenen Menschen, coachte ihn dabei, seine Energien zu fokussieren und nicht wie beim Fussball als technisch hochbegabter und schneller Spieler seine Gegenspieler zu vielen Fouls zu provozieren, sprach ihm mein Vertrauen darin aus, dass er seinen Lebenskampf erfolgreich schaffen wird. Sang ihm Lieder vor. Die Verbindung zwischen meinem Sohn und mir war in diesen Wochen so stark, dass ich auch außerhalb des Krankenhauses immer das Gefühl hatte, wie mit einer Leitung mit meinem Sohn verbunden zu sein.

Mein Sohn hat überlebt und kämpft für ein neues Leben

Durch den Unfall war das Sprachzentrum meines Sohns zerstört, seine kognitiven Fähigkeiten waren stark reduziert, seine rechte Seite besonders Arm, Hand und Bein waren praktisch gelähmt. Mein Sohn begann seinen immer noch andauernden Lebenskampf: Intensives Training jeden Tag, Teilnahme am Leben, das Leben selbstständig gestalten, trotz weiterhin vorhandener Einschränkungen etwas Sinnvolles und Erfüllendes tun, trotz der Handicaps sich als vollwertigen Mensch und Mann akzeptieren, eine Lebensperspektive entwickeln. Mein Sohn hat viel erreicht, und er wird noch mehr erreichen. Ich bin mir sicher, er wird sein Leben führen.

Folgen für mich

Meine eigene Lebensperpektive hat sich mit dem Unfall meines Sohns ebenfalls radikal geändert. Reduzierte Arbeitszeiten, um für meinen Sohn dasein zu können, und gleichzeitig steigende Arbeitsanforderungen führten bei mir zuerst zu einem BurnOut und anschließend zum Ende meiner Tätigkeit in meiner alten Firma. Das Ausscheiden aus der Sicherheit des alten Jobs mit Ende 50, meine damit verbundene auch dauerhaft schlechter gestellte finanzielle Situation sind eine Seite der Medaillie. Auf der anderen Seite stehen, freie Verfügbarkeit über meine Zeit, Herausforderung und Meisterung neuer Lebenssituationen, lernen, mich der Unsicherheit anzuvertrauen und zu merken, dass das geht. Und nicht zuletzt, mich als Mentor und Coach für Männer selbstständig zu machen.

Danke an meinen Sohn

Ganz besonders aber ist es mein Sohn mit seiner zweiten Lebenschance, die ich als Vater entscheidend mitgestalten konnte, die mir eine tiefe Zufriedenheit gibt. Und im Nachhinein kann ich sagen, auch ich als Vater hatte sozusagen eine zweite Vaterchance. Für meinen verunglückten Sohn konnte ich viel mehr Vater und Mann sein, als ich es zu Kind- und Pubertätszeiten war.

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